|
Der 2. Versuch
Obwohl schon über zwanzig Jahre her, kann ich mich noch recht gut an meinen ersten Besuch im Bonsai-Centrum erinnern. Allerdings war die Bezeichnung “Centrum” zum damaligen Zeitpunkt
etwas übertrieben.
Es war eine kleine Gärtnerei, die Löcher im Dach des Gewächshauses notdürftig mit Folie abgedichtet, aber eine für damalige Verhältnisse riesige Auswahl an Bonsai.
Ich verfiel in einen Kaufrausch. Ein Apfelbaum und eine Dreier-Buchengruppe hatten es mir angetan. Auch bekam man hier original japanisches Werkzeug. Eine große Schere und eine
Konkav-Zange wanderten in meinen Einkaufskorb.
Über drei Jahre hatte ich viel Freude an meinen Bäumen. Ich hatte sie auf der Terasse unserer damaligen Wohnung stehen. Der Apfelbaum brachte sogar kleine Früchte.
Was mir allerdings fehlte, war der Informationsaustausch mit anderen Bonsai-Begeisterten. Zwar hatte ich von einem Bonsai-Club in Heidelberg gehört, aber zu eventuellen Treffen 130
km mit einem VW-Käfer zu fahren, war mir offen gestanden zu mühsam. Auch mußte ich an meinen Geldbeutel denken - wir planten ein Haus zu bauen.
Im Mai 1982 bezogen wir unser neues Haus. Auf dem Balkon bekamen die beiden Bonsai ein spezielles Regal (es war auf Zuwachs ausgelegt). Was ich
aber nicht bedachte, der Balkon ist nach Südwesten ausgerichtet. Außerdem steht unser Haus auf einer Kuppe, relativ stark dem Wind ausgesetzt.
Leider goß ich weiter die Bäume so, wie ich es über die Jahre hinweg getan hatte, was unter den neuen Standortbedingungen viel zu wenig war.. Auch
hatte ich durch den Umzugsstress wenig Zeit mich um meine Bäume zu kümmern. Sie ahnen schon was kommt. Nach drei Wochen hatte ich nur noch (relativ teures) Brennholz.
Und nun tat ich etwas, was ich mir im Rückblick nicht verzeihe:
Ich gab auf!
|